Johann Peter Hebel
In der Türkei treibt ein reicher und vornehmer Mann einen Armen, der ihn um Almosen anbettelt, mit Beschimpfungen. und Schlängen fort. Als er den Armen mit Prügeleien nich mehr erreichen kann, wirft er ihm noch einen Stein hinterher. Die Leute, die das sehen, sind empört, aber niemand kann erraten, warum der arme Mann den Stein aufhebt, und ohne ein Wort zu sagen ihn in die Tasche steckt. Er wird von diesem Moment an den Stein immer bei sich tragen.

Nach einem Jahr verliert der vornehmer Mann sein ganzes Vermögen wegen einer Missetat und muß nach der dortigen Sitte zur Schau und Schande rückwärts, auf einen Esel gesetz, durch die Stadt reiten. An Spott und Schimpf fehlt es wirklich nicht.
Der Mann mit dem rätselhaften Stein in der Tasche steht auch unter den Zuschauern und erkennt seinen Beleidiger. Jetzt fährt seine Hand schnell in die Tasche; greift er nach dem Stein; hebt er ihn in die Höhe, um ihn nach seinem Beleidiger zu werfen, und wie von einem guten Geist gewarnt, lässt er den Stein afu den Boden fallen und geht mit einem bewegten Gesicht davon.
Daraus kann man lernen: erstens, soll man im Glück nich übermütig, noch unfreundlich ober beleidigend gegen geringe und arme Menschen sein, denn es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war und “wer dir als Freund nichts nutzen kann, der kann vielleicht als Feind dir schaden”. Zweitens, man soll seinem Feind keinen Stein in der Tasche, und keine Rache im Herzen nachtragen, denn als der arme Mann seinen Stein auf die Erede fallen lässt und davongeht, spricht er zu sich selber: “Rache an dem Feind auszuüben, so lange er reich und glücklich ist, das ist töricht und gefährlich; so lange er unglücklich ist, ist es unmenschlich und schändlich.”
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